Reise zu HAR im Oktober

Vom 21. bis 25.10.2018 waren Steffi und Daniela im Island of Hope in Buftea. Für Steffi war es das erste Mal, Daniela war ja im März schon einmal dort.

Hier nun Steffis Reisebericht und einige Fotos

 

Reise zu HAR 

Unser Verein, Hoffnungsstern für Pfötchen e.V., arbeitet eng mit HAR zusammen und wir vermitteln viele tolle Tiere von dort in Deutschland.
Wenn sie nicht direkt in ein Für-immer-Zuhause, also in eine Endstelle, vermittelt werden, geben wir vielen auch schon als Pflegestelle eine bessere Chance auf ein neues Zuhause hier in Deutschland.

Wie wir durch diverse Facebook-Berichte wussten, platzt der Shelter von HAR aus allen Nähten und die Mitarbeiter dort stoßen täglich an ihre Grenzen.

Wir wollten wir uns selber ein Bild von der Lage vor Ort machen, aber vor allem auch unbedingt helfen, also machten Daniela und ich uns am Sonntagmorgen auf den Weg nach Rumänien (Margit und Katja mussten ja leider kurzfristig absagen).

Wir trafen uns morgens am Flughafen Düsseldorf und nach einem unkomplizierten Flug nahmen wir in Otopeni (Flughafen Bukarest) unseren Leihwagen entgegen.
Dank genauester Vorbereitung von Daniela klappte auch alles wie am Schnürchen und wir kamen gegen 18 Uhr im HAR-Shelter in Buftea an.
Hier wurden wir durch mehr oder weniger freundliches Hundegebell aus allen Richtungen empfangen.

Trotz des deutlich spürbaren Stresses und Zeitdrucks der Mitarbeiter dort wurde uns freundlich unser Zimmer im Haus gezeigt und grob der Ablauf abends und morgens erklärt.

Natürlich alles auf englisch…

Iulian fragte ob sich jemand um die „Parvo-Puppies“ kümmern könnte damit er endlich mal nach Hause fahren konnte.
Quasi in Quarantäne im oberen Badezimmer waren drei Hundewelpen und ein kleiner Kater isoliert von den anderen, weil sie am Parvovirus erkrankt waren.
Ich habe sofort zugesagt und schon war ich mittendrin.
Von den drei Hundewelpen mussten zwei dreimal täglich eine Infusion bekommen und waren in großen Käfigen zur genaueren Beobachtung untergebracht.
Der andere Hundewelpe und der kleine Kater waren frei im Raum, weil es ihnen schon deutlich besser ging und sie auch keine Infusionen mehr brauchten.
Draußen vor der Tür mussten die Hände desinfiziert und andere Schuhe angezogen werden.
Das erste Eintreten war ein besonderer Moment in jeder Hinsicht… Dazu auch später mehr   🙂
Iulian zeigte mir wie ich die Infusionen überwachen und auch an- und abschließen sollte.
Dazu sollten die Welpen jede Stunde in ganz kleinen Mengen medizinisches Futter mit Reis bekommen, was ich zubereiten sollte.
Auch waren die kleinen Hundewelpen nicht stubenrein und hinterließen überall ihre größeren und kleineren Geschäfte.
Damit sie nicht da durch laufen, mussten auch ständig (und oft auch blitzschnell) die Einmal-Unterlagen in den Käfigen ausgetauscht werden.
Der Raum war mit feuchtigkeitsundurchlässigen Decken ausgelegt und diese dienten quasi auch als Klo und musste ständig ausgewechselt werden.
Mindestens eine Waschmaschinenladung (von bestimmt 20!!) am Tag ging nur für dieses Krankenzimmer drauf.

Uns wurde dann im Haus alles gezeigt und natürlich auch die Katzenzimmer, womit Daniela ihren Einsatzort gefunden hatte.

Wir haben uns dann noch draußen den riesigen Hof, die „Kindergarten“zwinger, die Ausläufe, die „Klinik“ und die Hunde-Baracken angeschaut.
Das uns schon bald vertraute ständige Hundegebell von den wahnsinnig vielen Hunden war ohrenbetäubend überwältigend.

Als wir unser Quartier bezogen hatten und gegen 22 Uhr die Mitarbeiter nach letzten Instruktionen für die Nacht und den Morgen sich auf den Heimweg machten, saßen Daniela und ich noch lange Zeit zusammen und konnten fast gar nicht fassen dass wir dort waren.

In der ersten Nacht haben wir kaum geschlafen, da wir ständig durch Hundegebell geweckt wurden.
So konnte ich aber auch öfter nach den Welpen sehen.
Dementsprechend wie gerädert sind wir am nächsten Morgen (um 7:30 Uhr) aufgestanden.

Eine der tollsten Erfahrungen dort war für mich mitunter wenn alle im Haus befindlichen Hunde (etwa 20) aufwachen und mit einem zur Tür stürmen, damit sie raus gelassen werden.
Dann war man auch schon mittendrin.
Man wusste gar nicht, was man als erstes machen sollte…
…Welpen füttern, Unterlagen auswechseln, Katzen versorgen, Hunde füttern oder tatsächlich sich selbst fertig machen und auch mal frühstücken.

Als dann die Mitarbeiter (Iulian und Nicoletta und Christina und später auch „der Fahrer“ und einige andere Helfer) gegen 8:30 Uhr eintrafen, haben wir besprochen wie wir uns einbringen und helfen können.

Neben den Aufgaben der „Parvo-Puppies“ und den Katzen haben wir dann gesagt, dass wir uns um das Haus kümmern und auch bei der Wäsche helfen.
Daniela wurde dann gefragt, ob sie sich auch noch um ein ganz schlimm krankes Kätzchen kümmern könnte, es musste quasi gefüttert und Wasser musste mit einer Spritze verabreicht werden.
Das war auf den zweiten Blick dann ihr „magischer Moment“ dort  🙂

Im Haus und überhaupt in der ganzen Anlage werden fast täglich alle Bezüge der Körbchen ausgewechselt und gewaschen.
Dazu kommen die ganzen Unterlagen, Handtücher und  Bodenbeläge.
Dadurch fallen diese riesigen Massen an Wäsche an.
Mehrere Maschinen gleichzeitig laufen ununterbrochen und man hängt im Stundentakt die Wäsche auf die Leine.
Wir hatten Glück und die ganzen vier Tage war das Wetter super.

Wenn man dann draußen die Wäsche aufhängt ist man immer umringt von vielen Hunden.
Toll   🙂
Es werden abwechselnd die einzelnen Zwinger aufgemacht und die Hunde können dann frei auf dem Gelände laufen, sodass dort jeder Hund mehrmals am Tag Auslauf genießen kann.

Bei den vielen Hunden kommt da einiges an Hinterlassenschaften zusammen 😉

Ab und zu sind Daniela und ich, gerüstet mit Handschuh und Kotbeutel, den Hof abgelaufen und haben die Haufen eingesammelt.
Auch das gehört natürlich dazu.

Unmengen an Näpfen gehören auch täglich gespült, da konnte ich am Dienstag, als Christina nicht da war, in der Klinik auch helfen.
Die Zwinger werden natürlich auch täglich gereinigt, aber das haben diesmal ausschließlich die Mitarbeiter erledigt.

Ausserdem wurden Spenden, die vom letzten Transport nach Deutschland mit zurückkamen, ausgeladen und sortiert und in die Lager weggeräumt.

Gerade wenn jemand fehlt merkt man wie viel zu tun ist.
Alle sind dort ständig in Arbeit, es wird sich auch nur nachmittags eine größere Pause zum Essen gegönnt, obwohl die meisten von 8:30 Uhr bis 22 Uhr im Einsatz sind.

Wahnsinn was dort geleistet wird!

Und dabei sind auch noch alle sooo nett und freundlich und sogar bei der 20. vielleicht sogar dummen Frage von uns noch sehr geduldig  😉

Auch, und wahrscheinlich gerade deshalb, fühlten wir uns wirklich wohl und auch willkommen dort.
Manchmal glaubt man ja, dass man den Leuten dort einfach nur auf den Nerv geht und im Weg rum steht weil man mit den Abläufen eben nicht vertraut ist.

Dass wir tatsächlich auch eine -vielleicht sogar grosse- Hilfe sein können zeigte sich dann am Mittwoch.
Es mussten ein sehr kranker Hundewelpe, der nach einem Zeckenbiss an Babiose erkrankte, und der kranke Kater Cailu zum Tierarzt nach Bukarest gefahren werden.
Wir haben uns sofort angeboten weil wir ja auch einen Leihwagen hatten und damit keiner aus der täglichen Arbeit dort gerissen werden musste.
So sind wir um 14 Uhr mit den beiden kranken Fellnasen-Babys an Bord gestartet.

In der Tierklinik dort angekommen wartete Grigoretta auf uns.
Sie fiel leider auch in Buftea aus, weil sie sich zu Hause um ihre todkranke Hündin Winnie rund um die Uhr kümmern musste.
Sie regelte dann die weitere Versorgung der Tiere mit den Ärzten auf rumänisch und holte aus einer anderen Klinik noch eine Blutkonserve, da der an Babiose erkrankte Hundewelpe dringend eine Bluttransfusion benötigt.
Dem kleinen Kater wurde Blut abgenommen und da warteten wir im Verlauf auch auf das Ergebnis, was der arme Kerl denn nun wirklich hat.
Danach fuhr Grigoretta wieder zu ihren Hunden nach Hause und wir blieben bei den Tieren in der Klinik.

Mittlerweile ging es dann auch schon auf den Abend zu, und plötzlich reagierte der Hund allergisch auf die Bluttransfusion, die deshalb sofort gestoppt werden musste.
Es wurde ihm mehrfach Cortison gespritzt, da sein ganzes Gesicht angeschwollen war.
Grigoretta kam dann wieder in die Klinik und besprach alles weiter mit dem Tierarzt.
Wir haben sie mit dem Hundewelpen nach Hause gefahren und haben uns dann mit Cailu auf den Heimweg gemacht.

Als wir dort ankamen war es bereits 22:30 Uhr und alle, bis auf ein Mitarbeiter der auch über Nacht blieb, waren nach Hause gefahren.
Ziemlich erschöpft aber auch total glücklich dass wir wirklich sinnvoll helfen konnten, sind wir nach der Versorgung unserer kranken Hunde- und Katzenwelpen dann ins Bett gefallen.

Grigoretta sagte uns noch zum Abschied dass sie mehr als dankbar für unsere Hilfe ist, sei es an dem Tag, oder die Tage zuvor oder das was wir alles mit unserem Verein für HAR tun.
Da flossen schon ein paar Tränchen…

Am nächsten Tag stand schon mittags unsere Abreise bevor und wir versuchten noch einmal so viel wie möglich zu erledigen.

Noch einmal Hunde rauslassen,
noch einmal Wäsche machen,
noch einmal Katzen füttern,
noch einmal das Haus putzen,
noch einmal Hunde füttern,
noch einmal die Katzenzimmer machen,
noch einmal die Parvo-Puppies versorgen,
noch einmal Cailu füttern und beschmusen,
noch einmal einen Rundgang über den Hof machen und so viele Hunde wie möglich streicheln…
…und noch einmal den kleinen Kater Goldie auf den Arm nehmen und ihm sagen dass er zu mir kommen darf wenn er wieder ganz gesund ist  ❤

Ich würde jederzeit, lieber heute als morgen, wieder hinfliegen um dort zu helfen.

Die Leute von HAR haben es mehr als verdient unterstützt zu werden, denn sie tun alles menschen(un)mögliche um den Tieren dort zu helfen und ihnen ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Ich bin unendlich dankbar für diese Erfahrung und dafür dass ich diese Menschen kennenlernen durfte!

Steffi