Edna – unser Weihnachtswunder

RIP Edna 😢😭
Oft heisst es ja alles hat seinen Sinn, nichts geschieht ohne Grund, aber in solchen Fällen ist man einfach nur fassungslos und kann den Glauben verlieren.
Edna hatte als Strassenhund in Rumänien sicher kein einfaches Leben und hat viel kämpfen und entbehren müssen. Dann bekam sie die Chance auf eine Wende. Durch meine Schuld gestaltete sich auch hier der Start sehr holprig, aber dann war sie endlich am Ziel. Ein eigenes Zuhause, viel Liebe, kein Kampf und keine Sorgen mehr. Aber durfte sie das genießen? Nein, denn plötzlich wurde sie total krank, der Bauch voller Wasser, die Milz abgestorben, es ging ihr sehr schlecht und sie musste vorhin erlöst werden. Sinn oder Grund? Ich kann beim besten Willen nichts erkennen, sondern nur Ungerechtigkeit und Entsetzen. Wie gerne hätten wir alle Edna endlich auf Dauer glücklich gesehen. Es tut mir auch so leid für Kathrin, sie hat sich so viel Mühe gegeben 😪
Am 06.11.21 kam Edna von HAR Rumänien nach Deutschland. Sie hatte in Rumänien lange Zeit mit vielen anderen Hunden zusammen auf einem Firmengelände gelebt und die Hunde wurden auch gefüttert. Dann musste das Gelände geräumt werden und Edna kam ins Island of Hope zu HAR. Sie war sehr schüchtern und musste sich erst langsam eingewöhnen. Aufgrund von Herzwurmbefall verzögerte sich auch ihre Ausreise um etliche Wochen.
Als die Reise dann anstand musste die vorgesehene Pflegestelle leider erst einmal passen, da die geplante Vermittlung des damaligen Pflegehundes plötzlich abgesagt wurde. Damit Edna nicht noch länger warten musste entschloss ich mich, sie vorübergehend aufzunehmen, obwohl ich aus persönlichen Gründen zu dem Zeitpunkt eigentlich kein Pflegetier nehmen wollte, da ich mich dazu psychisch nicht in der Lage fühlte.
Edna lag seit ihrer Ankunft am Samstagabend bis Montagfrüh regunglos in ihrem Korb. Sie frass und trank nicht, machte auch ihr Geschäft nicht, bewegte sich keinen Millimeter. Montagfrüh trug ich sie nach draussen und setzte sie vor dem Haus auf die Wiese. Dort machte sie sofort ausgiebig Pipi, wollte dann aber nicht laufen. Anstatt sie wieder ins Haus zu tragen zurrte ich an der Leine, ich war mit meinen Gedanken ganz woanders und machte alles falsch, was man nur falsch machen kann, obwohl ich es wirklich besser weiss. Das Geschirr sass zu locker, ich hatte sie nicht doppelt gesichert, ich war völlig unkonzentriert und nicht bei der Sache bzw. bei dem Hund. Innerhalb von Sekunden hatte Edna sich aus dem Geschirr gewunden, aber da sie selbst etwas überrascht und auch nicht so schnell war hätte ich sie noch aufhalten können, rutschte dann aber auf der nassen Wiese aus und fiel der Länge nach hin. Das Letzte, was ich von Edna sah war, dass sie in ein Waldstück lief und unter einem Bauwagen verschwand.
Danach gab es keine Spur mehr von ihr, Edna war wie vom Erdboden verschluckt.
In der folgenden Zeit versuchten wir alles, was man sich vorstellen kann. Jeder in der Umgebung war informiert, überall Aushänge, Pettrailer und Drohnen wurden eingeschaltet und auch eine professionelle Hundesuchorganisation. Nur da es keine einzige Sichtung gab konnte man einfach nirgendwo ansetzen, weder mit Fallen noch Kameras, Edna konnte ja überall sein.
Ich hatte allerdings anfangs immer so eine innere Stimme, die mir sagte, dass sie ganz in der Nähe sei, allerdings kam ich im Laufe der Zeit auch immer mehr zu dem Schluss, dass sie nicht überleben kann und sich irgendwo zum Sterben verkrochen hat. Einige meinten zwar, dass gerade diese Straßenhunde sehr erprobt sind in Überlebensstrategien und ihnen ja auch Kälte nicht so viel ausmacht, wenn sie aus Rumänien kommen. Aber ich glaube, letztendlich hat am Ende Niemand mehr so wirklich Hoffnung gehabt.
Ich war mir inzwischen sicher, diesen Hund auf dem Gewissen zu haben und habe mir natürlich täglich schwere Vorwürfe gemacht.
Ich musste im Dezember aus persönlichen Gründen nach Spanien, aber es waren ja alle aus dem Team informiert und einsatzbereit.
Dann geschah das Unglaubliche – am 23.12. meldete sich ein Nachbar bei Christian Högener – Edna sitzt unter dem Bauwagen, also genau dort, wo sie mir letztendlich endgültig entwischt war. Schnell kamen auch Silke und Philip Gabriel dazu und durch eine professionelle Zusammenarbeit und Silkes beherztem Zugreifen – Edna hat sich ziemlich gewehrt und auch gebissen – konnte sie kurz darauf gesichert werden und wurde zu Fam. Gabriel, Pflegestelle Sprockhövel, gebracht. Edna war zwar sehr müde und fertig, aber nicht so abgemagert und schlecht zurecht wie  man nach all den Wochen hätte annehmen müssen. Auch unsere Tierärztin meinte, dass sie in keinem so schlechten Zustand sei und die Blutwerte ok sind, sie ist allerdings wahrscheinlich getreten worden, da sie humpelte und einen heftigen Bluterguss am Bein hatte. Unter dem Bauwagen fand man eine tiefe Kuhle und auch Hühnerknochen. Wahrscheinlich hat Edna sich dort tatsächlich fast die ganze Zeit aufgehalten.
Die Krönung dieses Weihnachtswunders war dann noch, dass Edna schon 4 Tage später einen Endplatz in Dortmund bekam, wo sie sich sehr wohlfühlt und nun ein wunderschönes Leben führen darf. Ein schöneres HappyEnd kann es kaum geben!